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Projektwoche an der Stadtteilschule Süderelbe

Im Rahmen der Projektwoche 2026 an der Stadtteilschule Süderelbe hat die Klasse 11a zum Thema Unsere Stimme - unsere Zukunft gearbeitet.

In dieser besonderen Woche haben wir uns einem Thema, das unser alltägliches Leben prägt, gewidmet: der Demokratie. - Wir haben uns mit vielen Fragen rund um dieses Thema beschäftigt: Was genau ist Demokratie eigentlich? Warum ist sie so wichtig? Und wie funktioniert sie? Diese und viele weitere Fragen haben wir während der Projektwoche erforscht, diskutiert und selbst erlebt.

Ausgangspunkt unserer Beschäftigung war die Annahme, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist – sie ist das Ergebnis von Kämpfen, Debatten und dem Engagement vieler Menschen. Während dieser Projektwoche wollten wir mit der Klasse die Demokratie nicht nur zu verstehen und theoretisch im Klassenraum behandeln, sondern uns mit Personen und Institutionen verbinden, die Demokratie aktiv gestalten. Hierzu haben wir Gesprächspartner*innen gesucht, die sich beruflich oder ehrenamtlich für die Gesellschaft einsetzen. Wir wollten wissen, was diese Leute antreibt. Worin sehen sie den Gewinn für die Gesellschaft? Warum engagieren sie sich genau in diesen Bereichen und was haben sie davon?

Aus der Projektwoche sind viele Eindrücke entstanden. Einige davon sind in Texten hier dokumentiert. Am Ende finden sich auch unsere Umfrageergebnisse.

Besuch beim AStA der Universität Hamburg

Was macht der AStA eigentlich und warum ist er wichtig für die Demokratie? - Mit dieser Frage haben wir uns schon vor unserem Ausflug beschäftigt. Deshalb haben wir, Bassir, Sahel, Michael und Nikita, gemeinsam mit unserer Klasse die Universität Hamburg besucht. Dort trafen wir einen Vertreter des AStA, der uns mehr über seine Arbeit erzählte. Als wir an der Universität ankamen, begrüßte uns unser Ansprechpartner vom AStA. Gemeinsam gingen wir durch einen Flur, in dem er uns zunächst erklärte, was der AStA ist und welche Aufgaben er hat. Obwohl wir uns bereits vorher mit dem Thema beschäftigt hatten, erfuhren wir noch viele neue Dinge.

Danach gingen wir in einen Besprechungsraum. Dort setzten wir uns alle an einen großen Tisch. Vorne stand ein Projektor, der mit einem Laptop verbunden war. Die Präsentation wurde auf ein Whiteboard projiziert, sodass alle sie gut sehen konnten. Die Atmosphäre war ruhig und konzentriert. Man merkte, dass der AStA den Vortrag gut vorbereitet hatte. Während der Präsentation erklärte er uns, dass der AStA die Interessen der Studierenden vertritt, Projekte organisiert und ihnen bei verschiedenen Problemen hilft. Ich fand es spannend zu erfahren, wie viel Verantwortung der AStA übernimmt und wie Studierende dadurch ihre Hochschule mitgestalten können.

Erst am Ende der Präsentation konnten wir unsere Fragen stellen, die wir bereits vor dem Besuch vorbereitet hatten. Es war gut, dass sich unser Ansprechpartner Zeit nahm und jede Frage ausführlich beantwortete. Dadurch konnten wir vieles besser verstehen. Nach einer kurzen Pause machten wir noch eine Tour über den Campus der Universität Hamburg. Dabei bekamen wir einen guten Eindruck davon, wie groß die Universität ist und wo die Studierenden ihren Alltag verbringen.

Der Ausflug hat uns gezeigt, dass Demokratie nicht nur in der Politik wichtig ist. Auch an einer Universität können Menschen mitbestimmen und ihre Interessen vertreten. Vor dem Besuch wussten wir zwar schon einiges über den AStA, aber durch die Erklärungen und die Möglichkeit, unsere Fragen zu stellen, haben wir das Thema noch besser verstanden. Insgesamt war der Besuch informativ und hat uns einen guten Einblick in die Arbeit des AStA gegeben.

Text von Bassir

Besuch bei St. Pauli Marathon #1

Sollte Sport politisch sein? - Im Rahmen der Projektwoche zum Thema Demokratie besuchten einige Schülerinnen und Schüler der Klasse 11a am 3. Juli 2026 das Millerntorstadion des FC St. Pauli in Hamburg. Den Auftakt bildete eine etwa einstündige Fragerunde mit drei politisch aktiven Vereinsmitgliedern: Anke, Roger und Martin. Im Anschluss daran erhielten wir eine Führung durch die Räumlichkeiten des Stadions.

Die Fragerunde drehte sich vor allem um politisches Engagement im Sport, die demokratische Struktur des Vereins und aktuelle gesellschaftliche Themen im Stadtteil. Roger, der seit 35 Jahren als Straßensozialarbeiter tätig ist, schilderte, wie er Ende der 1980er Jahre nach Hamburg gekommen war und den FC St. Pauli damals noch als unpolitischen Verein erlebt hatte. Heute ist jedes Spiel mit knapp 30.000 Plätzen ausverkauft und der Verein steht für klare politische Werte. Anke betonte, dass Sport schon immer politisch gewesen sei: Wer aufgrund seiner Hautfarbe, seines Aussehens oder seiner sexuellen Orientierung vom Sport ausgeschlossen werde, erlebe das als politischen Akt. Beide verwiesen auf historische Beispiele, von den Olympischen Spielen 1936 bis zur WM in Katar, um zu zeigen, dass Sport und Politik nie zu trennen gewesen seien.

Ein weiteres zentrales Thema war die Demokratie innerhalb des Vereins. Der FC St. Pauli hat rund 55.000 Mitglieder, die über eine jährliche Mitgliederversammlung aktiv mitbestimmen. Jedes Mitglied kann Anträge stellen, über die dann gemeinsam diskutiert und abgestimmt wird. Roger erklärte außerdem das Genossenschaftsmodell des Vereins: Da externe Investoren grundsätzlich abgelehnt werden, gründete der FC St. Pauli die erste Genossenschaft im deutschen Profifußball. Jedes Mitglied kann Anteile erwerben und wird damit Miteigentümer des Stadions. Dabei gilt das Prinzip "One Member, One Vote", also eine Stimme pro Person, unabhängig davon, wie viele Anteile jemand besitzt. Martin ergänzte, dass der Verein zudem der einzige Proficlub in Deutschland sei, bei dem die Mitglieder per Beschluss verboten haben, den Stadionnamen an einen Sponsor zu verkaufen.

Nach der Fragerunde führten uns Anke, Roger und Martin durch das Millerntorstadion. Wir bekamen Einblick in Bereiche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind. Überall im Stadion waren die politischen Werte des Vereins sichtbar, zum Beispiel durch Transparente, Aufkleber und Hinweisschilder, die auf die Stadionordnung aufmerksam machen. Diese verbietet unter anderem Nazi-Symbole, Rassismus, Sexismus und Homophobie ausdrücklich. Schon beim Rundgang wurde deutlich, dass es sich beim FC St. Pauli um mehr als einen Sportverein handelt, nämlich um einen Ort, an dem gesellschaftliches Engagement und demokratische Mitbestimmung aktiv gelebt werden.

Für mich persönlich war der Besuch einer der eindrücklichsten Teile der Projektwoche. Er hat gezeigt, dass Demokratie nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern im Alltag gelebt werden kann, im Verein, im Stadtteil und beim Sport. Besonders mitgenommen habe ich die Aussage von Anke, dass der Anfang von politischem Engagement oft klein ist, zum Beispiel eine Projektwoche wie diese, in der man sich mit Demokratie auseinandersetzt und anfängt zu verstehen, dass man als Einzelperson tatsächlich etwas bewegen kann.

Text von Leo

Besuch bei St. Pauli Marathon #2


Sport ist politisch – Was wir beim FC St. Pauli über Demokratie gelernt haben - Am Freitag, den 3. Juli 2026, hatten wir die Gelegenheit, das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli zu besuchen. Was zunächst wie eine Stadionführung klang, entwickelte sich schnell zu einem spannenden politischen Austausch. Vertreterinnen und Vertreter der Marathonabteilung sowie der Initiative Lauf gegen Rechts nahmen sich Zeit, unsere Fragen zu beantworten und über Demokratie, gesellschaftliche Verantwortung und die Rolle des Sports zu sprechen. Schon zu Beginn wurde deutlich: Beim FC St. Pauli endet Fußball nicht an der Seitenlinie. Der Verein versteht sich als Teil der Gesellschaft – und übernimmt bewusst Verantwortung.

„Sport war schon immer politisch.“

Diese Aussage zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gespräch. Martin, Leiter der Marathonabteilung, erklärte, dass Sport niemals unpolitisch gewesen sei:

„Sport war schon immer politisch. Auch die FIFA und das IOC machen Politik – nur oft nicht im Sinne der Menschen, sondern im Sinne der Mächtigen.“

Als Beispiele nannte er die Olympischen Spiele 1936 im nationalsozialistischen Deutschland, die Fußball-Weltmeisterschaft während der Militärdiktatur in Argentinien sowie aktuelle Turniere in Katar oder den USA. Sport könne Menschen verbinden – werde aber ebenso genutzt, um politische Interessen durchzusetzen. Für den FC St. Pauli bedeutet das Gegenteil: Der Verein möchte demokratische Werte, Vielfalt und Solidarität sichtbar machen.

Laufen gegen Hass

Besonders beeindruckt hat uns die Geschichte der Aktion „Lauf gegen Rechts“. Die Organisatorin Anke berichtete, dass die Veranstaltung 2011 als Reaktion auf einen geplanten Neonazi-Aufmarsch in Hamburg entstand. Aus einer einmaligen Protestaktion wurde eine jährliche Tradition.

„Damals dachten wir, wenn dieser Naziaufmarsch irgendwann nicht mehr stattfindet, brauchen wir den Lauf vielleicht nicht mehr. Heute wissen wir: Er ist wichtiger denn je.“

Mittlerweile finden Läufe nicht nur in Hamburg, sondern auch in vielen anderen Städten Deutschlands statt. Dabei geht es nicht nur darum, gemeinsam ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Alle Einnahmen werden an antifaschistische und antirassistische Initiativen gespendet.
Die Botschaft ist klar: Sport kann Menschen bewegen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Warum engagieren sich die Menschen?

Auf unsere Frage, wann sie beschlossen hätten, selbst aktiv zu werden, antworteten alle Gesprächspartner ähnlich: Es habe keinen einzigen entscheidenden Moment gegeben. Martin erklärte:

„Für mich war immer klar, dass ich Antifaschist bin und mich gesellschaftlich einbringen möchte.“

Anke ergänzte, dass sie gesellschaftliche Ungerechtigkeit schon seit ihrer Jugend beschäftigt.

„Wenn Menschen ausgeschlossen werden, weil sie so aussehen oder so lieben, wie sie sind, dann ist das politisch. Genau deshalb müssen wir Haltung zeigen.“

Für Roger gehören Sport und soziales Engagement seit Jahrzehnten zusammen. Er erzählte, wie er beim FC St. Pauli endlich einen Ort gefunden habe, an dem Fußball und politische Überzeugungen kein Widerspruch seien.

Demokratie lebt von Mitbestimmung

Ein weiteres Thema war die besondere Vereinsstruktur des FC St. Pauli. Während viele Profivereine von Investoren beeinflusst werden, bleiben beim FC St. Pauli die Mitglieder das wichtigste Entscheidungsgremium. Über Anträge wird diskutiert und demokratisch abgestimmt. Roger erklärte:

„Demokratie heißt Teilnahme und Mitbestimmung.“

Diese demokratische Kultur zeigt sich nicht nur bei großen Entscheidungen. Auch Konflikte innerhalb des Vereins werden offen diskutiert. Statt Probleme zu ignorieren, sucht man gemeinsam nach Lösungen. Gerade das unterscheidet den FC St. Pauli von vielen anderen Profiklubs.

Werte sind keine Werbung

Besonders interessant fanden wir die Frage, was passiert, wenn jemand die Werte des Vereins nicht teilt. Die Antwort war eindeutig. Wer gegen die Leitlinien des Vereins verstößt – etwa durch rassistische, antisemitische oder diskriminierende Äußerungen – muss mit Konsequenzen rechnen. Martin erklärte, dass sich der Verein in solchen Fällen bewusst von Personen trennt. Die Werte des FC St. Pauli seien keine Marketingstrategie, sondern Grundlage des gesamten Vereinslebens.

Welche Herausforderungen gibt es heute?

Auf die Frage nach den größten Schwierigkeiten sprachen unsere Gesprächspartner offen über ihre Sorgen. Sie beobachten mit großer Besorgnis den gesellschaftlichen Rechtsruck in Deutschland und Europa.
Martin sagte:

„Mich macht es wütend, dass demokratische Errungenschaften wieder infrage gestellt werden.“

Anke kritisierte vor allem die Verbreitung rechter Narrative:

„Viele Behauptungen werden ständig wiederholt, obwohl sie wissenschaftlich längst widerlegt sind.“

Trotzdem möchten sie nicht aufgeben. Statt Resignation setzen sie auf Aufklärung, Gespräche und gesellschaftliches Engagement.

Eine Botschaft an junge Menschen

Zum Abschluss fragten wir, was sie jungen Menschen mit auf den Weg geben möchten. Ihre Antwort war eindeutig: Engagiert euch!
Egal ob in einem Sportverein, einer Initiative oder einer politischen Organisation – Demokratie funktioniert nur dann, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Martin brachte es am Ende des Gesprächs auf den Punkt:

„Demokratie lebt davon, dass Menschen mitmachen.“

Mehr als eine Stadionführung

Unser Besuch im Millerntor-Stadion war weit mehr als eine Stadionführung. Wir haben erlebt, dass Politik nicht nur im Bundestag stattfindet, sondern auch auf dem Fußballplatz, im Vereinsleben und im Alltag. Der FC St. Pauli zeigt, dass Sport Gemeinschaft schafft, Solidarität fördern und Menschen dazu motivieren kann, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.

Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten, hat uns dieses Gespräch deutlich gemacht: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen Haltung zeigen, miteinander sprechen und sich aktiv für eine offene und gerechte Gesellschaft einsetzen.

Text von Viktoriia

Umfrage zur Demokratie


Was denken Hamburger*innen über Demokratie? - Im Rahmen der Projektwoche haben wir darüber diskutiert, welche Faktoren für eine Demokratie eher förderlich sein können und welche ihr vielleicht eher schaden. Wir wollten es genauer wissen und haben uns Fragen überlegt, mit welchen wir herausfinden wollten, was die Hamburger*innen über Demokratie denken. Hier sind die Ergebnisse unserer Umfrage



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An diesem Projekt haben gearbeitet:
Ahmed · Amed · Bassir · Dominik · Dustin · Erol · Jan-Henrik · Jonas · Leo · Lilly · Malik · Maxim · Michael · Nikita · Paul · Raphael · René · Sahel · Valentin · Viktoria · Viktoriia

Impressum / Angaben gem. § 5 TMG:
Florian Stahl · Stadtteilschule Süderelbe · Neumoorstück 1 · 21147 Hamburg · florian.stahl@suests.hamburg.de

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